Vordenker-Umfrage: Glasfaser vs. Straße

Was ist wichtiger – die Verkehrsanbindung oder schnelles Internet? Das – und mehr – hat The Boston Consulting im Auftrag der WirtschaftsWoche junge Führungskräfte gefragt.

Digitalisierung ist aktuell eines der zentralen Themen, wenn es um wirtschaftliche Entwicklung geht. Doch um im dauerhaften, weltweiten Streben nach Optimierung und Innovation bestehen zu können, braucht es gewisse Grundlagen. Schnelles Internet zum Beispiel.

Das bestätigen die jungen Führungskräfte der Vordenker-Initiative von WirtschaftsWoche und The Boston Consulting Group (BCG): In einer aktuellen Umfrage von BCG geben 62 Prozent der Vordenker an, dass ein Glasfaseranschluss für sie ebenso wichtig ist wie die Verkehrsanbindung. Einem Viertel der Befragten ist ein guter Internetanschluss sogar wichtiger.

Die Unternehmen der Vordenker scheinen für die digitale Aufrüstung gut vorbereitet. Vier von fünf Vordenkern gaben an, dass ihre Firma über einen ausreichend schnellen Internetanschluss verfügt, um die Digitalisierung im eigenen Haus vorantreiben zu können. Für 18 Prozent reicht die digitale Infrastruktur hingegen nicht aus. Dabei brauchen die deutschen Firmen entsprechende Voraussetzungen, um in Sachen Digitalisierung nicht von der internationalen Konkurrenz abgehängt zu werden, sagt BCG-Partner und Digitalexperte Michael Grebe.

Michael Grebe hat für die aktuelle BCG-Studie „Beyond the Hype: Which Companies Are the Real Champions of Building the Digital Future“ von BCG den Reifegrad von Unternehmen bestimmt. „Die Digitalisierung spaltet derzeit die Unternehmenslandschaft. Die aktuelle Studie zeigt, dass beinahe ein Drittel der Unternehmen in Deutschland droht, von den digitalen Spitzenreitern in den unterschiedlichen Branchen abgehängt zu werden“, sagt der Digitalexperte. „Wer als Industrieunternehmen nicht den Anschluss verlieren will, muss zunehmend auf vernetzte Produktion sowie neue digitale Produkte und Services setzen.“

Wichtige Voraussetzung für eine solche fortschrittliche, digitalisierte Produktion seien Innovationsfähigkeit, Investitionskraft und digitale Talente – aber auch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, sagt Grebe. „Für den Produktionsstandort sind das lebenswichtige Faktoren. Ein Unternehmer, der Industrie 4.0 einsetzt, kann mit Schlaglöchern vor seinem Fabriktor vielleicht noch leben, in Zukunft aber immer weniger, wenn ihm die Ideen, die passenden Mitarbeiter oder Bandbreite fehlen.“

Die Meinung des Experten spiegelt sich in den Ergebnissen der Befragung wider. Unter den Vordenkern ist fast die Hälfte der Befragten der Meinung, dass sich ihre Unternehmen an den Kosten für einen Ausbau des Glasfasernetzes bis in die eigenen Büros oder Fabriken beteiligen würden. Lediglich ein Viertel schließt eine solche Investition aus.

Nur mit einer guten Vernetzung können die Firmen im digitalen Zeitalter mithalten. Eine schlechte Verkehrslage lässt sich kompensieren, eine schlechte Internetverbindung nicht.